Welche Erkenntnisse liefern klinische Studien zu TA-65® und der Telomerlänge? Eine am 25. November 2025 in der Fachzeitschrift Cell Biology and Toxicology veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse untersuchte die wissenschaftliche Datenlage zu TA-65®.
Die Autoren werteten acht randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 750 Teilnehmenden aus. Im Mittelpunkt standen die Telomerlänge in weißen Blutkörperchen, körperliche Funktionsparameter, Entzündungsmarker und Sicherheitsdaten.
Die Veröffentlichung berichtet über statistisch signifikante Unterschiede bei der Leukozyten-Telomerlänge. Ein entsprechender gesundheitlicher Nutzen konnte anhand der untersuchten funktionellen Messwerte jedoch nicht nachgewiesen werden.
Im Folgenden werden die wichtigsten Ergebnisse, wissenschaftlichen Einschränkungen und offenen Fragen zusammengefasst.
Was wurde in der Meta-Analyse untersucht?
Die Wissenschaftler um Xiaojuan Su, Cheng Wang, Zhixian Gou und Yi Qu fassten die Ergebnisse mehrerer klinischer Studien zu TA-65® systematisch zusammen.
Berücksichtigt wurden acht randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 750 Personen. Das durchschnittliche Alter lag nach Angaben der Autoren bei etwa 63 Jahren.
Die Analyse untersuchte insbesondere folgende Bereiche:
- Telomerlänge: Veränderungen der Telomerlänge in Leukozyten, also weißen Blutkörperchen.
- Körperliche Funktionen: Messwerte zur körperlichen Leistungsfähigkeit und zu altersbezogenen Funktionseinschränkungen.
- Entzündungsmarker: Veränderungen bestimmter Laborparameter, darunter CRP und Interleukin-6.
- Sicherheit: Berichtete unerwünschte Ereignisse und mögliche Risiken während der Studienzeiträume.
Für die statistische Auswertung wurden die Ergebnisse der eingeschlossenen Studien zusammengeführt. Die Autoren untersuchten außerdem mögliche Unterschiede zwischen Altersgruppen und Studien mit unterschiedlicher Finanzierung.
Was sind Telomere und warum werden sie untersucht?
Telomere sind Schutzstrukturen an den Enden unserer Chromosomen. Sie bestehen aus wiederholten DNA-Sequenzen und zugehörigen Proteinen.
Bei vielen Zellteilungen können sich die Telomere verkürzen. Auch weitere biologische Einflüsse können ihre Länge und Funktionsfähigkeit verändern.
Die Telomerlänge wird deshalb in der Altersforschung als möglicher biologischer Marker untersucht.
Eine ausführliche Erklärung der Zusammenhänge finden Sie in unserem Grundlagenartikel Was sind Telomere und welche Funktion hat Telomerase?.
Die Telomerlänge allein erlaubt jedoch keine zuverlässige Bestimmung des individuellen biologischen Alters.
Welche Ergebnisse zeigte die Meta-Analyse zur Telomerlänge?
Die Autoren berichteten über einen statistisch signifikanten Unterschied bei der Leukozyten-Telomerlänge zugunsten der mit TA-65® behandelten Gruppen gegenüber den Kontrollgruppen.
Die zusammengefasste standardisierte Effektstärke betrug SMD = 0,47 bei einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,31 bis 0,62.
Eine standardisierte Effektstärke ermöglicht den Vergleich unterschiedlicher Studienergebnisse. Sie beschreibt jedoch keine direkte Verlängerung der Telomere in einer bestimmten Anzahl von Basenpaaren.
Die Analyse zeigte außerdem eine relevante statistische Heterogenität zwischen den Studien. Das bedeutet, dass die Ergebnisse nicht vollständig einheitlich waren.
Gab es Unterschiede zwischen Altersgruppen?
In den ausgewerteten Daten berichteten die Autoren über einen stärkeren statistischen Effekt bei Teilnehmenden über 60 Jahren als bei jüngeren Erwachsenen.
Diese Unterschiede stammen aus statistischen Untergruppenanalysen. Sie sollten nicht als Nachweis verstanden werden, dass ältere Menschen durch TA-65® einen größeren gesundheitlichen Nutzen erfahren.
Führten die Veränderungen zu einer besseren körperlichen Leistungsfähigkeit?
Ein wichtiger Bestandteil der Veröffentlichung war die Frage, ob Veränderungen der Telomerlänge mit messbaren Verbesserungen körperlicher Funktionen verbunden waren.
Hierzu wurden unter anderem Untersuchungen der körperlichen Leistungsfähigkeit und altersbezogener Funktionseinschränkungen ausgewertet.
Die Meta-Analyse zeigte für diese funktionellen Endpunkte keinen statistisch signifikanten Vorteil.
Das ist für die Interpretation wesentlich: Eine Veränderung eines biologischen Messwerts bedeutet nicht automatisch, dass sich dadurch die Gesundheit, Leistungsfähigkeit oder Lebenserwartung verbessert.
Welche Ergebnisse gab es bei Entzündungsmarkern?
Zusätzlich untersuchten die Autoren bestimmte Entzündungsparameter, darunter das C-reaktive Protein (CRP) und Interleukin-6 (IL-6).
Die zusammengefassten Ergebnisse zeigten keine statistisch signifikante Verbesserung dieser untersuchten Entzündungsmarker.
Aus den vorliegenden Daten lässt sich deshalb kein gesicherter entzündungshemmender Effekt von TA-65® beim Menschen ableiten.
Was zeigen die Sicherheitsdaten zu TA-65®?
Die Meta-Analyse wertete auch unerwünschte Ereignisse aus den eingeschlossenen klinischen Untersuchungen aus.
Für die Sicherheitsauswertung standen nach Angaben der Autoren Daten von 487 Teilnehmenden zur Verfügung.
Berichtet wurden unter anderem leichte Beschwerden des Magen-Darm-Trakts. Hierzu gehörten Übelkeit und Bauchbeschwerden.
Die Autoren identifizierten innerhalb der untersuchten Beobachtungszeiträume keine schweren sicherheitsrelevanten Ereignisse, die in ihrer zusammengefassten Auswertung als entsprechendes Signal gewertet wurden.
Dieses Ergebnis darf jedoch nicht mit einem Nachweis vollständiger Sicherheit gleichgesetzt werden.
Was lässt sich über langfristige Krebsrisiken sagen?
Telomerase spielt nicht nur bei der Erhaltung der Telomere eine Rolle. Auch zahlreiche Krebszellen nutzen Mechanismen zur Aufrechterhaltung ihrer Telomerlänge.
Deshalb ist die langfristige Sicherheit von Eingriffen in die Telomerase-Regulation ein wichtiges wissenschaftliches Forschungsgebiet.
Die Meta-Analyse stellte innerhalb der verfügbaren Beobachtungszeiträume kein entsprechendes kurzfristiges onkologisches Sicherheitssignal fest.
Die vorhandenen Daten reichen jedoch nicht aus, um mögliche langfristige Krebsrisiken sicher auszuschließen.
Dafür wären größere und länger angelegte Untersuchungen erforderlich.
Welche Einschränkungen hat die Meta-Analyse?
Systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen können wichtige Erkenntnisse liefern, weil sie Ergebnisse mehrerer Untersuchungen zusammenführen.
Ihre Aussagekraft hängt jedoch wesentlich von der Qualität der eingeschlossenen Studien ab.
Bei der vorliegenden Veröffentlichung sind insbesondere folgende Aspekte zu berücksichtigen:
- Die eingeschlossenen Studien unterschieden sich hinsichtlich ihrer Untersuchungsmethoden und Ergebnisse.
- Die Telomerlänge wurde mit unterschiedlichen Laborverfahren bestimmt.
- Für einzelne gesundheitliche Endpunkte standen nur begrenzte Daten zur Verfügung.
- Die Beobachtungszeiträume waren für eine abschließende Bewertung langfristiger Risiken nicht ausreichend.
- Ein Teil der eingeschlossenen Studien wurde durch Unternehmen finanziert.
Die Autoren berichteten darüber hinaus, dass industriefinanzierte Studien im Durchschnitt größere Effektschätzungen aufwiesen als unabhängig finanzierte Untersuchungen.
Auch diese Unterschiede sollten bei der wissenschaftlichen Interpretation berücksichtigt werden.
Was bedeutet die Meta-Analyse für die Longevity-Forschung?
In der Longevity-Forschung werden biologische Mechanismen untersucht, die mit Alterungsprozessen und der Erhaltung körperlicher Funktionen zusammenhängen.
Telomere gehören zu den untersuchten Strukturen, sind jedoch nur ein Teil komplexer zellulärer Prozesse.
Die Meta-Analyse beschreibt statistisch messbare Veränderungen eines biologischen Markers. Ein entsprechender Vorteil bei den untersuchten funktionellen Altersparametern wurde nicht nachgewiesen.
Damit verdeutlicht die Veröffentlichung die Bedeutung einer Unterscheidung zwischen Veränderungen von Laborwerten und klinisch relevanten gesundheitlichen Ergebnissen.
Häufige Fragen zu den TA-65®-Studien
Wie viele Personen wurden in der Meta-Analyse untersucht?
Nach Angaben der Autoren wurden acht randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 750 Teilnehmenden zusammengefasst.
Welche Veränderungen der Telomerlänge wurden festgestellt?
Die statistische Gesamtauswertung zeigte einen signifikanten Unterschied bei der Leukozyten-Telomerlänge zugunsten der mit TA-65® behandelten Gruppen. Die Ergebnisse unterschieden sich jedoch zwischen den einzelnen Studien.
Beweist die Meta-Analyse, dass TA-65® den Alterungsprozess verlangsamt?
Nein. Die Untersuchung berichtete zwar über Veränderungen der Telomerlänge, konnte aber keinen entsprechenden statistisch signifikanten Vorteil bei den untersuchten funktionellen Altersmarkern nachweisen.
Ist die langfristige Sicherheit von TA-65® nachgewiesen?
Nein. Die verfügbaren klinischen Daten erlauben keine abschließende Bewertung möglicher langfristiger Risiken. Weitere unabhängige Langzeitstudien sind erforderlich.
Was ist der Unterschied zwischen einer Einzelstudie und einer Meta-Analyse?
Eine Einzelstudie untersucht eine bestimmte Fragestellung innerhalb eines einzelnen Forschungsprojekts. Eine Meta-Analyse führt die Ergebnisse mehrerer geeigneter Studien mit statistischen Methoden zusammen.
Dadurch können übergreifende Muster sichtbar werden. Die Ergebnisse bleiben jedoch von der Qualität und Vergleichbarkeit der einbezogenen Untersuchungen abhängig.
Fazit: Was zeigen die aktuellen klinischen Studien?
Die 2025 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse fasste acht randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 750 Teilnehmenden zusammen.
Die Autoren berichteten über einen statistisch signifikanten Unterschied bei der Leukozyten-Telomerlänge zugunsten von TA-65®.
Für die untersuchten funktionellen Altersmarker und Entzündungsparameter konnten hingegen keine statistisch signifikanten Vorteile nachgewiesen werden.
Auch die langfristige Sicherheit bleibt eine offene wissenschaftliche Frage.
Die Ergebnisse ergänzen die Forschung zur Telomerbiologie, sind jedoch kein Beleg dafür, dass TA-65® beim Menschen die Lebensdauer verlängert, Erkrankungen verhindert oder den Alterungsprozess nachweislich verlangsamt.
Wissenschaftliche Originalpublikation
Su, X., Wang, C., Gou, Z. & Qu, Y. (2025): Effects of TA-65 on telomere length, functional outcomes, and inflammation: a systematic review and meta-analysis. Cell Biology and Toxicology, 41, Artikel 155.
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