Der Begriff „Anti-Aging“ umfasst sehr unterschiedliche Produkte, Ansätze und wissenschaftliche Konzepte. Pauschale Aussagen über deren wissenschaftliche Evidenz greifen deshalb häufig zu kurz.
Anlass für diesen Beitrag ist ein am 23. Mai 2021 veröffentlichter Artikel der Medical Tribune mit dem Titel „Anti-Aging-Produkte halten der wissenschaftlichen Prüfung nicht stand“. Im Folgenden ordnen wir diese Aussage ein und betrachten insbesondere die wissenschaftliche Datenlage zu TA-65®.
Warum eine differenzierte Betrachtung wichtig ist
Anti-Aging ist kein einheitliches wissenschaftliches Konzept. Unter diesem Begriff werden sehr unterschiedliche Produkte, Wirkstoffe und Maßnahmen zusammengefasst, deren Evidenz jeweils separat bewertet werden muss.
Für einige Ansätze liegen nur begrenzte oder widersprüchliche Daten vor. Andere wurden bereits in klinischen Studien untersucht. Entscheidend sind dabei unter anderem Studiendesign, Teilnehmerzahl, untersuchte Endpunkte und Dauer der Beobachtung.
Eine wissenschaftliche Bewertung sollte deshalb nicht allein anhand der Bezeichnung „Anti-Aging“ erfolgen, sondern anhand der verfügbaren Daten zum jeweiligen Ansatz.
Welche wissenschaftlichen Daten gibt es zu TA-65®?
TA-65® wurde in verschiedenen präklinischen und klinischen Untersuchungen wissenschaftlich untersucht. Dabei beschäftigten sich Forschende unter anderem mit Telomerase-Aktivität, Telomerlänge, Immunparametern und verschiedenen altersassoziierten Biomarkern.
Die vorhandenen Studien unterscheiden sich jedoch hinsichtlich Studiendesign, Teilnehmerzahl und untersuchten Endpunkten. Ihre Ergebnisse sollten deshalb jeweils im Kontext der einzelnen Untersuchung betrachtet werden und erlauben keine pauschale Aussage über eine „Anti-Aging-Wirkung“.
Was zeigen bisherige Untersuchungen?
Zu TA-65® wurden unterschiedliche wissenschaftliche Untersuchungen veröffentlicht. Eine frühe Studie von Harley et al. (2011) untersuchte unter anderem Veränderungen von Immunparametern und der Telomerlänge nach der Einnahme von TA-65®.
Weitere Untersuchungen beschäftigten sich mit unterschiedlichen biologischen Parametern im Zusammenhang mit Telomeren, Telomerase und Zellalterung. Die Ergebnisse tragen zur wissenschaftlichen Datenlage bei, müssen jedoch aufgrund unterschiedlicher Studiendesigns und teilweise begrenzter Teilnehmerzahlen differenziert bewertet werden.
Insgesamt rechtfertigt die vorhandene Forschung eine weitere wissenschaftliche Untersuchung von TA-65®. Sie belegt jedoch nicht pauschal, dass TA-65® den menschlichen Alterungsprozess verlangsamt oder altersbedingte Erkrankungen verhindert.
Telomerase und Krebs: Warum eine differenzierte Betrachtung wichtig ist
Telomerase spielt sowohl in der normalen Zellbiologie als auch in der Krebsforschung eine wichtige Rolle. In den meisten normalen somatischen Zellen ist ihre Aktivität gering, während bei vielen Tumorerkrankungen eine erhöhte Telomeraseaktivität beobachtet wird.
Dieser Zusammenhang bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jede Aktivierung der Telomerase eine Krebserkrankung verursacht. Die Entstehung und Entwicklung von Krebs ist ein komplexer, mehrstufiger Prozess, an dem zahlreiche genetische und zelluläre Veränderungen beteiligt sind.
Für die Bewertung von Telomerase-Aktivatoren ist deshalb entscheidend, deren Sicherheit direkt in präklinischen und klinischen Untersuchungen zu betrachten. Die bislang verfügbaren Daten zu TA-65® müssen dabei im Kontext von Studiendauer, Teilnehmerzahl und untersuchten Sicherheitsparametern bewertet werden; langfristige Risiken lassen sich aus begrenzten Beobachtungszeiträumen nicht abschließend beurteilen.
Quellen:
Shay, J.W. & Wright, W.E. (2011). Role of telomeres and telomerase in cancer. Seminars in Cancer Biology, 21(6), 349–353. https://doi.org/10.1016/j.semcancer.2011.10.001
Hanahan, D., & Weinberg, R.A. (2011). Hallmarks of cancer: the next generation. Cell, 144(5), 646–674. https://doi.org/10.1016/j.cell.2011.02.013
Fazit
Der Begriff „Anti-Aging“ allein sagt wenig über die wissenschaftliche Qualität eines Produkts oder Ansatzes aus. Entscheidend ist die Evidenz für den jeweils untersuchten Wirkstoff und die konkrete Fragestellung.
Eine aktuelle Zusammenfassung klinischer Daten finden Sie in unserem Beitrag „TA-65®: Aktuelle Studien zu Telomerlänge und Sicherheit“.
Zu TA-65® liegen wissenschaftliche Untersuchungen zu Telomeren, Telomerase und verschiedenen biologischen Parametern vor. Gleichzeitig bestehen Grenzen der bisherigen Datenlage. Weitere größere und langfristige klinische Studien sind erforderlich, um mögliche Effekte und insbesondere die langfristige Sicherheit besser beurteilen zu können.
